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"Der Freiraum ist stets nur eine kurzfristige Lücke - ein Übergangsphänomen 

zwischen flüssig und fest - vielleicht ein Zustand des scheinbaren Chaos. 

Es ist dieser Übergang, ohne den alles verharrt und versackt und es ist dieser Übergang für den

- um es drastisch zu fassen - in keiner möglichen Welt Platz ist.

Freiraum macht alles zur Fähigkeit - Angst, Zweifel, Liebe und Glück

- bevor sich die Kreise verfestigen und zu Schablonen werden -

bevor die Welt wieder ohne Poesie auskommt."

 

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Grußwort zur Ausstellungseröffnung
„Freiraum zeigt : zeigt Freiraum 2“

Essen, den 16.04.2011

 

Willkommen zur zweiten Ausstellung in der ehemaligen Lukaskirche.
Die Kirche ist zu einem Gesamtkunstwerk geworden. Wie schon in der ersten Ausstellung, aber nun unter Beteiligung von noch mehr Kunstschaffenden, mittlerweile zählen wir an die 100 Beteiligte, ist dieser Ort ein schier unüberschaubares, monumentales Zeitzeugnis der Gestaltungswut der hier aktiven Menschen geworden.

Vornehmlich junge Menschen im Alter bis Mitte 30 haben hier ihre Spuren hinterlassen und diese fügen sich nun wahllos, weil unkuratiert, zu einem Gesamteindruck, den einzuordnen allen sehenden Augen überlassen wird.

Diese Ausstellung findet im Rahmen einer Zwischennutzung statt. Zwischennutzung bedeutet, dass es einen bestimmten Anfang und ein bestimmtes Ende der Aktivitäten der Freiräumer in der Lukaskirche gibt. Angefangen haben wir Anfang Dezember, aufhören werden wir Anfang Mai. Die laufende Ausstellung wird demnach nur 2 Wochen zu sehen sein.

Die unbändige Energie, die so viele Menschen in die Gestaltung und Aneignung dieses Gebäudes gesteckt haben, erzählt eine Geschichte von ungestillten Sehnsüchten, von denen die vordringlichste und offensichtlichste ist, Wirklichkeit gestalten zu können.

Die Gruppe Freiraum2010 steht im Kontext der „Recht auf Stadt“ Initiativen. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf der Erschließung von Freiräumen für Menschen, die gestalterisch oder künstlerisch tätig werden wollen, oder – allgemeiner formuliert – auf der Erschließung von Gestaltungsfreiräumen.

Unsere Gruppe hat sich über die Zeit der Zwischennutzung in der ehemaligen Lukaskirche weiter entwickelt und wir sind überzeugter denn je, dass unser Anspruch auf ein selbst-verwaltetes „Haus der künstlerischen Arbeit“, wie wir Ihn zum Anlass der Besetzung des ehemaligen DGB-Gebäudes an der Schützenbahn in Essen letztes Jahr, formuliert haben, berechtigt ist. Mehr als 1200 Besucher der ersten Ausstellung, beinahe 100 beteiligte Kunstschaffende und massiver Zuspruch von allen Seiten – vom Anwohner, über die Kunstszene bis zu Presse und Politik zeigen an, dass es gesellschaftlich erwünscht und strukturell leistbar ist, dass wir eine eigene, große und gut gelegene Immobilie bespielen.

Die Vewo GmbH hat als Eigentümer der Lukaskirche vorgemacht, wie Immobilienbesitzer Freiräume unbürokratisch ermöglichen können und wir danken insbesondere Ute Trapp von der Vewo für die Unterstützung und das Interesse an unserem Projekt.

Anfang Mai beginnt der Umbau der Kirche für das Projekt „Zusammen Leben“. Für uns bedeutet dies das Ende unserer Arbeit hier. Wir werden zum Abschluss in einer öffentlichen Diskussion Bilanz ziehen und in die Zukunft blicken. Heute ist diese für Freiraum2010 ungewiss. Noch bleiben jedoch 2 Wochen Zeit, um neue Unterstützer zu finden, die uns ermöglichen unsere Arbeit in neuen Räumen fortzusetzen.

Viel Spaß beim entdecken der Ausstellung, Ihr Freiraum!